werkraum

80 der innovativsten handwerker haben sich 1999 zum werkraum bregenzerwald zusammengeschlossen. diese plattform wirkt nach außen mit ausstellungen, wettbewerben und vorträgen, nach innen mit entwicklungsarbeit und nachwuchspflege.

 

thomas geisler, ehemaliger kustode der sammlung design am mak – österreichisches museum für angewandte kunst / gegenwartskunst in wien, ist geschäftsführer des werkraum bregenzerwald:

 

„das handwerk hatte im bregenzerwald tradition lange bevor der werkraum 1999 gegründet wurde. die barockbaumeister aus dem bregenzerwald zum beispiel waren bis weit über den bodensee hinaus bekannt und wichtig für die entwicklung einer ausgeprägten handwerks- und baukultur in der talschaft. sie brachten wichtige impulse von ihren baustellen außerhalb des tals und kombinierten diese mit den regionalen traditionen.

 

ähnlich wie die baumeister damals agiert der werkraum heute an der schnittstelle zwischen den handwerksbetrieben im bregenzerwald und seinem internationalen netzwerk von institutionen, architekten, designern und handwerkern. der alle drei jahre stattfindende wettbewerb „handwerk + form“ ist ein wichtiges instrument für diesen austausch, ebenso das vom schweizer stararchitekten peter zumthor geplante werkraumhaus, das ausstellungs- und diskussionsort ist, aber auch ein wichtiger sozialer ort der begegnung, an dem gemeinschaft gelebt wird. die neue werkraumschule ist ein ganz wichtiger beitrag zur ausbildung und sicherung von fachkräften im handwerk für die region.

 

der gemeinschaftliche gedanke hinter all diesen aktivitäten macht den werkraum aus – es ist ein lebendiges miteinander der handwerksbetriebe im austausch mit ihrem umfeld. die einsicht, dass in einem globalisierten markt das kollektiv mehr dynamik entwickeln und sichtbarkeit erzeugen kann, und somit handwerk im digitalisierten 21. jahrhundert überhaupt überlebenschancen hat, war ein wichtiger gründungsgedanke, der nun auch auf höchster ebene gewürdigt wurde. seit 2016 ist der werkraum in das internationale unesco-register guter praxisbeispiele für die erhaltung des immateriellen kulturerbes aufgenommen worden.

 

 

 

 


 

aus diesem kulturellen erbe zu schöpfen und neues zu entwickeln ist die vision des werkraums. dazu gehört, dass tradiertes handwerkswissen bewahrt und weitergebene wird ebenso, wie dass mit neuen technologien und materialien experimentiert wird. um begegnungen zu schaffen, braucht es neben der digitalen vernetzung auch physische orte für den austausch. das werkraumhaus in andelsbuch, von handwerkerinnen und handwerkern initiiert, ist hierfür ein weltweit einzigartiger platz, der mit ausstellungen, symposien, workshops und anderen veranstaltungen diesen austausch fördert. als anlaufstelle für interessenten an handwerks- und baukultur ist es zu einem wichtigen vermittlungsort geworden, der bis in die werkstätten der mitgliedsbetriebe hinausstrahlt.

 

qualität in der gestaltung und herstellung ist oberstes prinzip der produkte aus den werkraumbetrieben. dieser anspruch erledigt sich jedoch nicht von selbst, sondern fordert eine ständige auseinandersetzung mit den eigenen möglichkeiten und den entwicklungen drum herum. wolfgang schmidinger, selbst ein gründungsmitglied des werkraums, hat dies bereits früh für sich erkannt. sein steter austausch mit gestaltern aus dem in- und ausland führt zu einer beachtlichen kollektion, die internationalität ebenso kommuniziert wie den bezug zu ihrem ursprung im bregenzerwald. das schöne ist, dass diese kombination zu objekten führt, die nicht den trendigen moden im möbeldesign folgt, sondern eine eigene und beständige sprache entwickelt hat. die entwürfe aus den neunzigern sind heute ebenso spannend, wie die aktuellen. die produkte von schmidinger möbelbau zählen zweifelsfrei bereits heute zu den »klassikern« aus dem werkraum bregenzerwald."